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Geschichte über Wannweil

 

Wannweiler Johanneskirche:
eine der ältesten Kirchen Württembergs

Wannweil hieß nach der ältesten uns erhaltenen Urkunde aus dem Jahre 1275 "Wile" später "Wyle bi Betzingen" und im Jahr 1465 "Wannwyle". Der Name "Wile" (Villa) ist auf eine römische Ansiedlung zurückzuführen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei Wannweil eine Römerstraße über den Fluss Echaz führte, die auf beiden Ufern durch Befestigungen gedeckt war. Nachweislich erhob sich in der Nähe der Kirche ein größeres römisches Gebäude, von dem 1880 dicke Grundmauern ausgegraben wurden. Aus vorrömischer Zeit stammt ein auf dem "Burghau" festgestelltes, der Göttin Epona geweihtes keltisches Heiligtum. Der Flurname "Wüste" weist darauf hin, dass mit dem Heiligtum ein großer heiliger Bezirk verbunden war. Auch die seit altersher umgehende "Schlangensage" mag mit diesem Heiligtum in Verbindung stehen.

Auf den Trümmern des Römerplatzes nahmen im 3. Jahrhundert nach Christi die Alemannen das Land in Besitz. Sie unterlagen den später nach hier vordringenden Franken, mit denen auch das Christentum seinen Einzug hielt. Wannweil hatte schon sehr früh eine Kirche. Der Überlieferung nach soll die Vorgängerin der heutigen Kirche um 920 über dem Grab der beiden Pfalzgrafen und Kammerboten Erchanger und Berthold aus dem Geschlecht der Burkadinger erbaut worden sein, die 917 von König Konrad I hingerichtet wurden. Die 1890/91 erweiterte Dorfkirche gehört zu den ältesten überirdischen Kirchen Württembergs, wenn sie nicht gar die älteste überhaupt ist. Das hohe Alter der Kirche und die römische Besiedlung, deren Existenz feststeht, beweisen, dass Wannweil in alten Zeiten eine größere Bedeutung genoss.

Über den ältesten Ortsadel ist nichts bekannt. Aus dem 14. Jahrhundert ist jedoch übermittelt, dass Besitzer des Ortes die Herren von Blankenstein waren, die dem Ortsteil "Wile" vom Bistum Konstanz zu Lehen trugen und die Herren von Wildenau, die den linksufrigen Ortsteil Wanne besaßen.

Im Jahre 1333 verkaufte Albrecht von Blankenstein den "Widdumhof" (Wohnhof) samt Patronatsrecht der Wannweiler Kirche dem Spital in Reutlingen. Damit befand sich Wannweil weitgehend in Reutlinger Besitz und teilte fortan auch alle Geschicke der freien Reichsstadt.

Ihr Recht hatten die Bürger von Wannweil bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts bei dem Kirchenspielgericht zu Mähringen gesucht. 1471 richtete das Reutlinger Spital kraft kaiserlichen Privilegs in Wannweil und Ohmenhausen ein eigenes Vogtgericht ein.

Schlimme Zeiten für die Gemeinde brachten die Kriege in den Jahren 1449/50 und der sogenannte "Fürstenkrieg" im Jahre 1519, als Herzog Ulrich von Württemberg die Reichsstadt belagerte und eroberte. Kaum waren diese Schrecken vergessen, als die Beteiligung der Reichsstadt am Schmalkaldischen Krieg 1546/47 kaiserliche Heere nach Wannweil führte. Die Bauernaufstände und die Religionskämpfe in der Reformationszeit stürzten Wannweil erneut in Kriegswirren.

Waren es nach der Schlacht bei Nördlingen 1638 1000 Kroaten, die in das Dorf einfielen und wie die Wilden hausten, gingen im Jahre 1642 die Schweden und später die Franzosen mit den Einwohnern und ihrer Habe auch nicht gerade schonend um. Im Jahre 1802/03 fiel Wannweil mit der Stadt Reutlingen an Württemberg. Dabei wurde die Gemeinde angehalten, 4257 Gulden von den Schulden der ehemaligen freien Reichsstadt mit zu übernehmen. Der Ort zählte damals 405 Einwohner.

Der wechselnde Lauf der Geschichte von der Gründung bis in unsere heutige Zeit hat in Wannweil viele Spuren hinterlassen, und das Bild der Menschen geprägt. Die zahlreichen Kriege, die sich bis in das 19. Jahrhundert hineinzogen, brachten oft schlimme Hungerjahre mit sich, die schließlich bewirkten, dass manche Wannweiler Bürger die Auswanderung in unbekannte Länder einem Leben voller Leid und Elend in der Heimat vorzogen.

Über alle Zeiten hinweg war die Landwirtschaft der bestimmende Faktor in der Gemeinde. Sie verschloss sich aber auch nicht in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts der einsetzenden Industriealisierung. Als sich um 1870 zwei Fabriken in Wannweil ansiedelten, in denen schon bald je 200 Menschen Arbeit fanden, begann sich allmählich der landwirtschaftliche Charakter zu ändern.

Heute ist Wannweil ein Industrieort mit lebendigem Pulsschlag, der sich nach dem Krieg prozentual mit am stärksten von allen Gemeinden des Landkreises Reutlingen entwickelt hat.

Die Einwohnerzahl ist innerhalb von 20 Jahren von 2551 im Jahr 1950 auf 4586 Einwohner im Jahr 1970 angewachsen. Heute zählt unser Ort rund 5000 Einwohner.

Als Folge der starken Bevölkerungsentwicklung mussten zahlreiche kommunale Aufgaben bewältigt werden. So wurden neue Wohngebiete geschaffen und viele neue Straßen mit Ver- und Entsorgungsleitungen gebaut.

Die Uhlandschule mit dem ersten Lehrschwimmbecken im Landkreis ausgestattet, konnte im Jahre 1956 ihrer Bestimmung übergeben werden. Besonders stolz ist die Gemeinde auch auf ihre im Jahre 1987 eingeweihte neue Uhlandhalle. 1989 wurde die Schulanlage erweitert und mit einem neuen Schwimmbad versehen. 1996 wurde das moderne Rathaus anstelle des Vorgängerbaus von 1839 verwirklicht. Der Neubau bietet viel Raum für kulturelle Aktivitäten in der neu gestalteten Ortsmitte. 


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