Geschichte

  Schlangen-
sage
  Wannweil -
ein frühindu-
strielles Trachtendor
f
  Wannweil im vergangenen Jahrhundert
  Wannweil gestern und heute (W. Ott)
  Die Esels-
geschichte

(zurück zur Startseite)

"Wannweil im vergangenen Jahrhundert"

Eine Zeitreise durch das Wannweiler Gemeindearchiv anläßlich der ersten Ausstellung im Rathaus im neuen Jahrtausend

6. Januar 2000 - 28. Februar 2000

Trippelhaus Mayer in der Dorfstraße 12 vor dem Abbruch im Jahre 1973

 

Ausstellungsbegleitheft für die Jahr 2000 Ausstellung in Wannweil

von Botho Walldorf

Umschlagbild:

 

Trippelhaus Mayer in der Dorfstraße 12 vor dem Abbruch im Jahre 1973, an dessen Stelle ist seitdem ein Parkplatz. Zur Orientierung können die dahinter abgebildeten Häuser dienen. Geburtshaus von Georg Mayer, Autor des Wannweiler Heimatbuches von 1960.

Original: Kleinbild-Farbdia aus dem Nachlass von Karl Ott.

Im Lagerbuch von 1711 ist das Anwesen Dorfstr. 12 als der 12. Lehenshof des Reutlinger Spitals erwähnt. Damals war ein Max Steinmaier der Besitzer. Die letzte Bauernfamilie auf diesem Hof war die Familie Mayer ("Mayer-Steffes"). Sie verkaufte 1966 an die Gemeinde, welche sozial schwache Familien darin wohnen ließ. Siehe auch Bildband I, Seite 74.

 

Impressum

1. Auflage 2000: 400 Exemplare
Herausgeber: Gemeinde Wannweil
Verfasser: Botho Walldorf, geb. 1945, Lenaustraße 23, 72827 Wannweil
Satz, Layout: Volker Steinmaier, Hauptamtsleiter der Gemeinde Wannweil, Hauptstr. 11, 72827 Wannweil
Druck: Druckerei Berthold Kemmler, 72827 Wannweil

 

Vorwort

Das Ausstellungs-Begleitheft soll eine Ergänzung zu den bisher über Wannweil veröffentlichten Bildquellen sein. Erstmalig seit der Verzeichnung des Wannweiler Gemeindearchivs im Jahre 1969 wird eine Anzahl Archivalien publiziert und in die entsprechende zeitgeschichtliche Abfolge gesetzt. Ferner soll diese Veröffentlichung auf den Zusammenhang zwischen archivalischen, bildlichen und mündlichen Quellen ("oral history") für die geschichtliche Überlieferungsbildung Wannweils hinweisen. Manche Namen wurden anonymisiert. Wo Familien oder Nachkommen nicht mehr im "Flecken" wohnen, wurde die Namensnennung beibehalten.

 

Die Jahr 2000 Ausstellung wird wieder abgeräumt, nur dieser Ausstellungskatalog wird bleiben und künftigen haupt- oder ehrenamtlichen Bearbeitern Wannweiler Geschichte den Zugang zu den Original-Quellen erleichtern. Die vorliegende Begleitveröffentlichung stellt zum einen die Nachhaltigkeit der Jahr 2000 Ausstellung sicher. Sie gibt aber auch einen Überblick über den Dokumentationsinhalt des Gemeindearchivs Wannweil.

Die Veröffentlichungen zur Geschichte Wannweils haben vor allem in hauptamtlich geführten, Geschichte bewahrenden Institutionen die Chance, erhalten zu bleiben. Die wichtigsten in der Region sind die Dienstbibliothek des Kreisarchivs Reutlingen, die Institutsbibliotheken des Ludwig Uhlandinstituts für Empirische Kulturwissenschaft sowie das Institut für geschichtliche Landeskunde und Hilfswissenschaften der Universität Tübingen. Hier finden sich in Form von Professoren und Studenten am ehesten Bearbeiter, welche die Geschichte Wannweils in ihre vergleichenden Forschungen einbeziehen können. An der Universität verkehren die künftigen zeitgeschichtlichen Forscher. Sie suchen dort zuerst Material, bevor sie "ins Feld", also in die Gemeinden gehen. Diese können dort auf die von uns Geschichtsamateuren geleistete Grundlagenarbeit aufbauen. Die Themenstellungen interessieren naturgemäß weniger diejenigen Einwohner Wannweils, die wegen einer günstigen Wohnung oder sonstigen wirtschaftlichen Gründen hierhergezogen sind. Nicht jede Generation wird also Interessenten der Wannweiler Geschichte hervorbringen. Umso größer wird die Entdeckerfreude sein, wenn drei Generationen später auf das Gemeindearchiv mit dem Findbuch und auf wegweisende Veröffentlichungen zurückgegriffen werden kann. Die dort niedergeschriebenen Dinge werden dann als "Wahrheit " aufgefaßt. Mit zunehmender Zeitferne wächst die Bezugsferne. Zahlreiche Tatbestände sind immer weniger vorstellbar und nachprüfbar.

Künftige Generationen können nicht mehr sagen: "Das habe ich noch als Kind gekannt" oder "ein Butterfaß hat meine Großmutter noch gehabt". Sie müssen sich auf die Fotos, Dokumentationen und Beiträge verlassen, die wir hinterlassen.

Mühselig wurden aus Privatbesitz Fotos als Original oder in Form von Reproduktionen ab den 1970er Jahren zusammengetragen. Lange Zeit galten Fotos als nicht achivwürdig. Ein Mangel der Gegenwartsdokumentation ist das Nichtvorhandensein von katalogisierten Gegenüberstellungsaufnahmen zu diesen alten, inzwischen veröffentlichten Fotos. Das Aufsuchen der Motivstandpunkte von den alten Fotos, die im Bildband I und II von Wannweil veröffentlicht sind, und das Anfertigen von aktuellen Fotos von diesen Plätzen wäre ein einfaches, aber bedeutendes ortsgeschichtliches Projekt. Aus Zeitmangel ist das bisher unterblieben. Aber künftige Amateurhistoriker sollen aufgrund unserer Vorarbeiten auch noch Themen finden. Unsere Gegenwart ist für sie Geschichte. Wieder wird der Vorwurf zu hören sein: Warum haben die nicht mehr dokumentiert, den Vorwurf, den wir unseren Vorgängern auch machen.

Natürlich arbeitet auch der Verfasser dieses Begleitheftes, B. Walldorf nicht fehlerfrei. Manchmal liegt es daran, daß der Rechercheaufwand nicht zu weit betrieben werden kann. Beim Feststellen von Fehlern bittet der Verfasser daher um Nachsicht. Die Geschichte in den Gemeinden läuft überall nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten ab: ob es nun das "Dritte Reich" ist, das Verschwinden der kleinbäuerlichen Betriebe oder die Vernichtung historischer Bausubstanz zu Anfang der 1970er Jahre. Es sind auch ständig die gleichen Empfindsamkeiten zu beachten. Wenn man diese Abläufe von anderen Orten her kennt, können auch Zugezogene wie B. Walldorf sich an die Bearbeitung und Veröffentlichung von Teilen der Wannweiler Ortsgeschichte wagen.

Man kann nicht alles aufheben. Oft bleiben nur zufällig erhaltene Akten, Fotos oder Gegenstände. Akten und Schriftstücke entstehen meistens wegen irgendwelchen Konflikten. Sie geben dann zufälligerweise Einblick in die soziale Wirklichkeit einer Epoche. Beispiel:

Das Abmähen von Feld- und Waldwegen durch alte Frauen erscheint uns im Rückblick pittoresk. Mündlich wird auch noch erzählt, welche arme alte Frauen ohne ausreichende Altersversorgung das aus purer materieller Not gemacht haben. Sie brauchten Futter für ihre Geißen. Unbemerkt für die Öffentlickeit hörte das Mähen der Graswege plötzlich auf. Wenn man Aktenbestände und Gemeinderatsprotokolle nacheinander in der Folge auswerten würde, bekäme man Antwort auf viele Tatbestände. Das ist ein großer Zeitaufwand. Das Mähen der Graswege hörte beispielsweise 1939 auf, als sich beim Versteigern des Grasertrages niemand mehr meldete. Das Sauberhalten der Feldwege wurde dann den Grundstückseignern übertragen. Dies ist in den (bereits maschinengeschriebenen) Gemeinderatsprotokollen Jahrgang 1939 vermerkt. In Notzeiten (etwa Kriegs- und Nachkriegszeiten) wird ohnehin mehr aufgeschrieben als "wenn alles läuft". Als "in den sechziger Jahren die Wirtschaft boomte", immigrierte beispielsweise der seinerzeit "Gastarbeiter" genannte Personenkreis. Die Besitzer älterer Häuser waren zufrieden, weiterhin Mieter zu finden. Die Gastarbeiter waren froh, eine billige Bleibe zu bekommen und nehmen bis heute manche Unbequemlichkeit in Kauf, um zu sparen.

Beispielsweise ist schon heute für eine wachsende Zahl von Wannweilern nicht mehr vorstellbar, wo das Wohn- und Ökonomiegebäude Kirchentellinsfurter Strasse 3 des Jakob Walz stand. Es wurde im Vorfeld des Neubaus der Echazbrücke 1972 abgebrochen. Aber wen interessiert es noch? Daher sind die Baupläne dieses Hauses hier exemplarisch veröffentlicht. Die Fabrikschornsteine, waren einst Symbol für Wirtschaftskraft und Wohlstand des Industriedorfes Wannweil. Der Wannweiler Amateurmaler Gerhard Braun (geb. 1922) hat diese Schornsteine in seinen Aquarellen der 1950er Jahre festgehalten. Durch andere Technologien sind die Fabrikschornsteine abgängig geworden. Daran ist aber auch ein Mangel an Bemühungen um die Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen zu erkennen. Wen interessiert noch die Geschichte der Wannweiler Fabriken, da Wannweil zu einem Auspendlerdorf geworden ist. Inzwischen ist ja der ganze Landkreis Reutlingen zum Auspendlerkreis mit ständig zunehmenden Pendlerströmen geworden.

Für die Benutzung des Gemeindearchivs Wannweil sind geschichtliche und archivalische Vorkenntnissse erforderlich. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Kenntnisse durch ein Studium oder durch die Praxis "learning by doing" erworben worden sind. Die Zugangskontrolle zum Archiv dient dem Schutz der ideell wertvollen Archivalien. Auch künftige Generationen sollen an Fragestellungen, die wir heute noch gar nicht kennen, ihre Entdeckerfreude haben. Archivbenutzer ohne diese Vorkenntnisse könnten falsche Schlüsse aus den Unterlagen ziehen. Ferner könnten die Archivalien nicht sachgemäß behandelt werden.

Manche Dinge gehören allerdings nicht ins Gemeindearchiv. (Schwarz-weiß-) Negative halten länger, wenn sie in den klimatisierten Magazinen des Staatsarchivs Sigmaringen (Sammlung Walldorf dort als Depositum-Nr. 44) oder der Landesbildstelle in Stuttgart aufbewahrt werden. Dreidimensionale Ausstellungsstücke gehören in die Freilichtmuseen, wo sie unter hauptamtlicher Betreuung in verschiedenen Themenzusammenhängen gezeigt und veröffentlicht werden können. Für Wannweil ist das Freilichtmuseum Beuren zuständig.

In der Ausstellung und im Begleitheft konnten nur einige Beispiele ausgewählt werden. Eine komplette Gemeindegeschichte kann nicht dargestellt werden, auch wenn 100 000 Fotos zur Verfügung stehen. Die Grenzen der Dokumentation sind erreicht. Wir müssen uns mit dieser Auswahl von Geschichtsquellen begnügen, die im Gemeindearchiv oder bei Privatpersonen zugänglich waren. Man muß sich fragen: Wer schaut diese Fotos und die alten Gerätschaften in Zukunft an? Millionen Fotos werden jedes Jahr geknipst. Ganze Industrien leben davon. Nur wenige Fotos werden erhalten bleiben, wenn sie in die hauptamtlich geführten Archive gelangt oder veröffentlicht worden sind. Diesem Tatbestand soll diese Broschüre Rechnung tragen. Jede Generation sieht den Ablauf der Geschichte neu. Es kommt hinzu, was sich inzwischen alles neu ereignet hat. Arbeitslosigkeit war in den 1960er Jahren unvorstellbar. Heute leidet das wiedervereinigte Deutschland gerade unter diesem Problem mit allen seinen Folgeerscheinungen. Bei Texten und Fotos sind die Fundstellen angegeben. Künftigen Bearbeitern wird das Auffinden der Originalquellen damit erleichtert. Sie brauchen daher bereits Veröffentlichtes nicht erneut reproduzieren oder sich der neuen Technik des Einscannens bedienen.

Aus fotokonservatorischen Gründen ist diese Broschüre in Schwarz-weiß Offsetdruck ausgeführt worden. Es wurde davon abgesehen, einige wenige Exemplare mit einem Tintenstrahldrucker anzufertigen. Künftige Generationen sollen von unserer Arbeit des Zusammentragens von Fakten ebenfalls noch profitieren.

Wannweil, 6. Januar 2000

Botho Walldorf


Zurück nach oben