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Wannweil - Ein frühindustrielles Trachtendorf Zurück zu Geschichte

Geiger-Verlag Horb ISBN 3-89570-200-5

Verkaufspreis DM 33,00 zuzüglich Versandkosten

Erhältlich bei:
Walter Ott, In der Au 3
72827 Wannweil, In der Au 3
Tel. 07121/956957
Fax 07121/956958
E-Mail ott@schreiner-ott.de

Autor: Botho Walldorf
Mitverantwortlich: Walter Ott

TITELBILD
Reproduktion : März 1996

Traufständiges Doppelhaus Hipp/Kress in der Degerschlachter Straße 5+7, mit zwei landschaftstypischen Außentreppen, mundartlich "Trippel" genannt. Deswegen wurde dieses Gemälde als Titelfoto gewählt, weil es ein typisches Motiv des Bauerndorfes Wannweil mit seinen vergangenen Lebenswelten darstellt. Ölgemälde von Wilhelm Hipp (1903-93), Mechaniker , gemalt um 1926 als Hochzeitsgeschenk. Signiert W. Hipp rechts unten. Breite 100 cm Höhe 70 cm, Privatbesitz Wannweil, renoviert von Malermeister Paul Walker (1910-74) und um 1990 von Kunsthandlung Horwarth, Reutlingen. Etwa ein Dutzend für die Lokalgeschichte Wannweils bedeutenden Gemälde von W. Hipp sind uns erhalten geblieben.
Die am linken Bildrand sichtbare Doppelscheuer aus Fachwerk, Bruchstein und "Reigertenwände" ist 1996 noch vorhanden. 1930 gehören die Gebäude als Haus-Nr. 38 Gustav Kress und Pauline Hafner Witwe und Nr. 39 Jakob Hipp, Postagent. 1711 berichtet das erneuerte Lagerbuch: "Im Grieß", Johann Jakob Hipp und Hans Jerg jung Gaiser, vorher Stefan Hipp, um 1500 Stefan Hippen , um 1625 Johannes Hipp und Georg Hipp je 1/2. Wegen des Todes der langjährigen Besitzer steht ein Generationenwechsel bevor. Die Grundstücke werden mittelfristig einer neuen Nutzung, wahrscheinlich Wohnungsbau, zugeführt. Im rechts sichtbaren Hausteil wohnt seit über 25 Jahren eine griechische Familie, jetzt schon in der zweiten Generation. Noch kann das Wannweil-typische Ensemble in Augenschein genommen werden. Dunglege und Haustiere sind allerdings nicht mehr zu finden, wohl aber der Kastanienbaum, mundartlich "Kestezenboom" . Das Freilaufenlassen von Hühnern gehörte einst zum Dorfbild. Es wurde in den 1950er Jahren wegen möglicher Übertragung von Infektionskrankheiten verboten Außendokumentation in Sammlung Walldorf Feb. 1981, Innendokumentation freundlicherweise durch Frau Kress gestattet Juni 1983.

Leseprobe:
2.1 Heck-Bild 1872 , Kirchgängerin mit Kind in Tracht


Die Betzinger Malschule hat auch in Wannweil Spuren hinterlassen. Es sind wichtige Bildzeugnisse zur vorfotografischen Überlieferung Wannweils und seiner Tracht entstanden. Aus diesem "Heile Welt-Bild" geht nicht hervor, daß die Wannweiler schon seit 1818 um die Erweiterung ihrer stilreinen romanischen Kirche kämpften. Durch die qualvolle Enge waren sie des romanischen Kirchenschiffs längst überdrüssig geworden
1891 erhielt die Johanneskirche unter der Bauleitung des Baurates Heinrich Dolmetsch (1846-1908) ihr heutiges Aussehen. Der "Wahrung vaterländischer Altertümer" wurde nach den damaligen Erkenntnissen Rechnung getragen.
Bild-Nr. 920301

Ölbild von Robert Heck (Repro)
Der Künstler Robert Heck (25.4.1831-11.11.1889, Betzinger Malschule) malte das Bild 1872 mit fotografischer Genauigkeit. Nach seinem Tod kam es in den Besitz seines Sohnes Ernst Heck, der nach Amerika auswanderte. Die Nachkommen von Ernst Heck leben in Texas/USA und sind heute in Besitz des Bildes.
Am rechten Bildrand sieht man durch den halben Chorbogen einen Ausschnitt des Chores. Gut zu erkennen ist die Kreuzigungsszene der 1968 wiederentdeckten Fresken, ebenso Altar und Taufstein. Detailgetreu gemalt ist auch das Maßwerk des damals schlicht verglasten linken Chorfensters. Die Bildmitte nimmt die Kanzel ein. Sie ist mit einem roten Tuch behängt und mit Girlanden geschmückt. Der Schalldeckel scheint bemalt zu sein. Das Hauptmotiv ist eine junge Frau in dunkler Wannweiler Tracht mit einem etwa zehnjährigen Mädchen, das ebenfalls eine einfache Tracht mit einem Leiblesrock trägt. In den Bankreihen sitzt eine ältere Frau. Sie trägt eine Abendmahlstracht, die deutlich an der Florhaube, einer schleierartigen Kopfbedeckung zu erkennen ist. In Wannweil war die Florhaube unter dem Begriff "Säbelhaube" bekannt. Sie wurde nur zu besonderen Anlässen, wie zum Abendmahl, zu Beerdigungen und am Karfreitag getragen. In der Blütezeit der Trachtenmode durfte sie an der Konfirmation erstmals getragen werden, ebenso von der Braut beim Hochzeitsfest. Die verzierte Holzsäule zwischen den Personen trägt die Empore. Die 1891 entfernte nördliche Wand des Schiffes zeigt deutlich eine Bemalung. Die Bankreihen sind schlicht ausgeführt. Der Fußboden ist mit großformatigen Steinplatten ausgelegt. Unten rechts ist das Bild beschriftet: "Wannweil 29/6/72".
Nach diesem Gemälde wurden Ende des 19. Jahrhunderts mindestens zwei Stahlstiche angefertigt. Der reproduzierte Stich trägt den Titel "Nach der Trauung". Die Bildunterschrift lautet: "gemalt von Robert Heck, Verlag H. Schönlein Stuttgart, Druck J. Niederbühl, gestochen von C. Hartmann Stuttgart". Das Motiv ist fast strichgenau identisch mit dem Bild von Robert Heck. Nur anstelle der Frau mit dem Mädchen ist ein Brautpaar mit weiteren vier Personen eingefügt. Es darf als sicher gelten, daß die Vorlage dieses Stiches das besagte Ölgemälde ist. Laut Angabe des Heimatmuseum Reutlingen soll es sich bei dem jungen Paar um den Schuhmacher Nestel und Anna Margarethe Dalm aus Betzingen handeln.





Nachwort des Verfassers:
Botho Walldorf, Jahrgang 1945, ist kein Wannweiler, sondern Nachkomme einer Flüchtlingsfamilie aus Westpreußen. Dort lebten Angehörige der Familie Walldorf von 1896 bis zur Flucht am 24. Jan. 1945 in der Kleinstadt Mewe an der Weichsel. 1949 wurde Gammertingen als Wohnort zugewiesen. Dort lebten die Mutter sowie eine Tante des Verfassers bis 1984. Von den genannten Wohnorten sind sowohl Aquarelle von Elsa Walldorf als auch Bildbände von B. Walldorf entstanden. Der Bildband 2 von Wannweil erscheint im selben Jahr wie das Bilderalbum von Mewe an der Weichsel. Dieses ist auf deutsch, polnisch und englisch in Zusammenarbeit mit einer ehemaligen Angestellten des Großvaters von B. Walldorf und einem polnischen Amateurhistoriker veröffentlicht worden.
Bereits als Schüler schätzte ich die Zukunftsfähigkeit des "Ländlichen Raumes" geringer ein als die des Mittleren Neckarraumes. Dort verbringe ich daher bis heute mein Erwerbsleben.

Im Interesse der fachgerechten Aufarbeitung und Sicherung von Teilgebieten der Wannweiler Geschichte hat Walldorf die Last der Autorenschaft auf sich genommen und das Werk zur Druckreife geführt. Dies war nur möglich, weil Schreinermeister Walter Ott, Jahrgang 1948 , dessen Vorfahren mütterlicherseits seit über 300 Jahren in Wannweil nachweisbar sind, seit seiner Jugendzeit ortsgeschichtliche Grundlagenarbeit betrieben hat. Durch die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Ott und Walldorf war auch das Erscheinen des 1. Bildbandes von Wannweil, Geiger-Verlag Horb 1984, möglich. Ferner haben sie die Ausstellung und Dokumentation "100 Jahre Erweiterung der Johanneskirche 1891-1991" verwirklicht.
In den vergangenen Jahrzehnten haben viele Wannweiler bereitwillig Fotos und Gemälde zum Reproduzieren zur Verfügung gestellt, was mit Dank vermerkt wird.
Dank gilt auch Frau Professor Dr. Christel Köhle-Hezinger, Jahrgang 1945, Esslingen und Marburg, die dem Verfasser seit 1982 teilhabend, Mut machend und Rat gebend zur Seite steht.
Weitere bedeutende fachliche Beratung erhält der Verfasser seit Mitte der 1980er Jahre im Kreisarchiv Reutlingen durch die Kreisarchivarin Irmtraud Betz-Wischnath sowie im Staatsarchiv Sigmaringen.
In diesem Zusammenhang sei der Staatsarchivdirektorin Maren Kuhn-Refuß (1938-1993) besonders gedacht, welche 1987 die Einrichtung des Depositums Nr. 44 (Sammlung Walldorf) initiierte. Der Verfasser bekam die Möglichkeit, an unterschiedlichen Themen den Prozeß der Überlieferungsbildung vom Zufallsfoto bis zur fachgerechten Übernahme , Erschließung und Bewahrung durch hauptamtlich besetzte Archive und Museen zu begleiten und zu beeinflussen.
Das vorliegende Werk ist keine Chronik, sondern es werden anhand einzelner, zufällig vorhandener, gut dokumentierter Objekte einige ausgewählte Themen der Wannweiler Geschichte aus verschiedenen Epochen dargestellt. Es soll Wannweiler Bürgern und Geschichte-Fachleuten gleichermaßen den Zugang zur Wannweiler Ortsgeschichte erleichtern. Ferner soll es die Bearbeitung künftiger Fragestellungen ermöglichen.
Der Bildband 2 soll die bisher vorliegende lokalgeschichtliche Literatur von Wannweil ergänzen. Dies gilt insbesondere für den vergriffenen Bildband 1 von 1984.

Anschrift des Verfassers :
Botho Walldorf
Lenaustr. 23
72827 Wannweil

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